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Dorfgemeinschaft Köln-Immendorf 1973 e.V.

Zum 10 jährigen Bestehen von Immendorf 2000 e.V. (heute Dorfgemeinschaft Köln-Immendorf 1973 e.V.) schickte der damalige Oberbürgermeister Norbert Burger einen Gruß, der die Notwendigkeit und das Wesen des Vereins damals aber auch heute sehr treffend beschreibt:

 

In einer Zeit, in der es modern ist, gegen etwas zu sein, ist die Existenz eines Vereins, der nach der Satzung positiv eingestellt und für etwas ist, eine erfreuliche Tatsache.

 

Mit großer Freude möchte ich deshalb dem Bürgerverein Immendorf 2000 e. V. zu seinem 10jährigen Bestehen im Namen der Stadt Köln gratulieren.

 

Immendorf ist heute ein winzig kleiner Bestandteil der Großstadt Köln und vielen seiner Einwohner überhaupt nicht bekannt. Aber es ist ein altes Dorf, das stolz auf seine über 1000jährige Geschichte verweisen kann und das echte Traditionen zu pflegen hat. Das ist die eine Aufgabenseite des Vereins, die andere aber ist entstanden durch die Entwicklungen der Neuzeit. Früher landwirtschaftlich orientiert, wandelte sich der Ort nach dem 2. Weltkrieg durch die Ansiedlung moderner Industrien in der nächsten Nachbarschaft und durch den Zuzug vieler Menschen aus anderen Berufszweigen. Hier sind es die Probleme der neuen Sozialstruktur, der Verkehrs-, Lärm- und Immissionsbelastung, der gesamten Strukturplanung, die der Verein mutig angepackt hat.

 

Der Bürgerverein Immendorf 2000 will seine Interessen nicht durch laute Aktionen erzwingen, sondern durch sachliche und intensive Kontakte zu allen verantwortlichen Stellen und Persönlichkeiten erfüllt sehen. Das ist, wie es auch eine Zeitung einmal ausdrückte, ein Paradebeispiel einer Bürgerinitiative; und ich wünschte, daß viele derartige Vereine das Miteinander in der Stadt Köln auf diese Weise erleichterten.

 

Ich hoffe, daß der Verein stets auf diesem Wege fortfährt und wünsche seiner Arbeit im Interesse der Immendorfer Bürger viel Erfolg.

 

Oberbürgermeister der Stadt Köln 

Norbert Burger 

Juni 1983

 

Heute, über 40 Jahre später, haben sich die Aufgaben und die Art und Weise, wie der Verein damals wie heute agiert und wahrgenommen werden möchte nicht groß geändert. 

 

Bald wollen wir hier auch betrachten, was sich geändert hat!

Wozu ein Dorfverein? Von der Gründung bis Anfang der Achtziger

Aus "Immendorf - Chronik eines alten Dorfes" von Klaus Langes

 

Die Gründungsversammlung des Vereins Immendorf 2000 fand statt am 17. 1. 1973. Allerdings waren einige der Gründer und nachmalige Mitglieder schon vor diesem Datum im Sinne des späteren Vereins aktiv, besonders auf umweltschützerischem Gebiet.

 

Bei uns in Immendorf waren nämlich umfangreiche Erweiterungspläne der benachbarten Industrie bekanntgeworden. So wollten sich, wie die Kölnische Rundschau am 21. 4. 1970 berichtete (Bürger haben Angst – Industrie breitet sich weiter aus), ROW für 1,5 Mrd und Shell für 500 Mio vergrößern. Alle und
alles beherrschte die Entwicklungs- und Wachstumseuphorie, auch die Ratsherren der damaligen Gemeinde Rodenkirchen. Sie sahen und planten voraus: Ausbeutung der großen Kiesvorkommen und die anschließende
Rekultivierung werden die Umgebung Immendorfs grundlegend wandeln; das Angebot der Ladengruppen in Immendorf muß erweitert werden und der Wohnsiedlungsbereich Rondorf soll, unterbrochen durch die Trasse der 189 N und Leitungstrassen, bis nach Immendorf erweitert werden (zitiert aus der Dokumentation zur kommunalen Neugliederung, Rodenkirchen 1971).


Der Zimmermannplan, zuvor in aller Munde, war jedoch zu dem Zeitpunkt schon Makulatur, weil das zur Planung benötigte Land bereits durch die Industrie aufgekauft worden war. Große Sorgen bereitete darüber hinaus ein im Gebietsentwicklungsplan der Planungsgemeinschaft Rheinland geforderter
forcierter Ausbau der Verkehrsverbindungen (Kölnische Rundschau vom22. 4. 1970). Eingemeindungspläne wurden zu dieser Zeit noch als Geheimpapiere behandelt, erregten aber doch schon viele Gemüter.

Da in NRW in den Jahren 1969/70 Wahlen von der Gemeinderats- bis zur Bundestagsebene abgehalten wurden, befaßten sich auch die politischen Parteien besonders mit unseren Problemen. Die Gespräche auf den Partei-
veranstaltungen drehten sich in erster Linie um die uns bedrückenden Umweltprobleme und hier wurde auch zum ersten Male der Gedanke laut, man müsse eine Aktionsgemeinschaft gründen, damit man sich gemeinsam besser artikulieren könne.

 

1971 fuhr ich mit einigen Immendorfern nach Düsseldorf zu einem Gespräch mit dem für Umweltschutz zuständigen NRW-Arbeits- und Sozialminister Werner Figgen. Die Einladung war auf eine Leserbriefaktion (Figgen beschtigte die Olefinwerke – Köln. Rundschau vom 26. 8. 1971, Markige Worte Figgens – Leserbrief in der Köln. Rundschau vom 1. 9. 1971) zurückzuführen. Wir bekamen ausreichend Gelegenheit, unsere besondere Lage in Immendorf zu schildern. Intensive Aktionen (Unterschriftensammlungen gegen Industrieerweiterun-
gen, Einsprüche beim Regierungspräsidenten, Teilnahme an Genehmigungsverhandlungen, Zusammenarbeit mit dem Gewerbeaufsichtsamt) kennzeichneten die nachfolgenden Jahre. Wir dürfen es auch unseren Aktionen zuguterechnen, daß z. B. die Degussa den Gestank auswaschen (KStA vom 21./22. 10. 1972), dem Gestank den Kampf ansagen (Köln. Rundschau vom 21. 10. 1972) wollte, daß die ROW die Fackeltätigkeit innerhalb von 3 Jahren um 95% verminderte (und sich veranlaßt sah, in einem Artikel des Werbekuriers vom 7. 12. 1972 die leuchtende Fackel zu besingen, denn sie dient der Sicherheit und auch der Reinhaltung der Luft).

 

Inzwischen hatte sich die Interessengemeinschaft Immendorf zusammengeschlossen (Dr. Panse, Dr. Schöndorf, Langes) und u. a. dem damaligen Bundesinnenminister Genscher anläßlich seines Besuches bei der Eröffnung der Ausstellung Umweltschutz in Rodenkirchen eine Petition überreicht. 1972 trat die neue Gruppierung mit einer Informationsveranstaltung in der Alten Schule an die Öffentlichkeit. An diesem Abend wurde die Vereinsgründung für die allernächste Zeit anvisiert. Mit dem Namensgebung Immendorf 2000 sollte die zukunftsorientierte Haltung des Vereins dokumentiert werden; wir wollten weniger kontra als vielmehr pro eingestellt sein. Die eigentliche Gründungsversammlung am 17. 1. 1973 in der Alten Schule wurde von über 100 Personen besucht. Diese große Teilnehmerzahl zeigt deutlich, wie notwendig der Zusammenschluß eines solchen Gremiums für unseren Ort war.

 

...bald gehts weiter